April 2020 (Teil 2)

15.04 Heute war nicht ein besonders guter Tag, wir brauchen etwas Ruhe von den Kindern. So setzten wir die Kleinen auch das erste Mal in dieser Quarantäne mit einer Bine Maya vor den Laptop. Mal 20 Minuten Ruhe. Danach gibt es eine Malstunde zusammen mit Anaïs. Wir machen Girlanden, welche danach im Schiff aufgehängt werden.

Heute ist der erste von drei Einkaufstagen. Danach sollte die Ausgangssperre ja auch endlich gelockert werden. Wir erhalten von unserem Freund Alex, welcher z.T. in einer nahen Marina ist ein Telefonat. Der Lieferdienst sei soeben in der Nachbars Marina eingefahren und wolle die Waren abliefern. Da er näher ist, fährt er schon mal hin und nimmt unsere Lebensmittel entgegen. Ich lasse das Dinghi ins Wasser und sause davon. Wir erhalten 3 Kartons mit Lebensmittel. Jetzt haben wir genug Lebensmittel um zirka 2 Monate autark zu sein. Natürlich ohne Fleisch und Frischware.

Unsere Kinder freuen sich ab den Kartons und spielen diese innert kurzem Kaputt. Mit den dazugehörenden Tränen. Zum Glück habe ich Panzerband…Danach wurden die Kisten bemalt, als Bett oder Bobbycar genutzt und ein Baby-bett gebastelt.

Das Wochenende verläuft unspektakulär. Ein Tag geht vorbei wie ein anderer. Mal besser und mal nervenaufreibender. Am Samstagnachmittag veröffentlicht die Regierung, dass nochmal 7 Tage 24/7 Ausgangssperre angehängt. Danach gäbe es langsam Auflockerungen. Nach der Zimmerstunde von AnaÏs versuchen wir immer etwas nur mit ihr zu machen. FIMO basteln, verschul-Übungsaufgaben und diverse Brettspiele. Das mit den Buchstaben kriegt sie schon sehr gut auf die Reihe und schreibt verschiedene Namen schon selbständig aus aufs Blatt.

Am Montag 20.04 ist Anja froh, dass sie einkaufen gehen darf. Sie besucht per Fussmarsch einen Baumarkt und einen Lebensmittelmarkt. Für mich gibt es ein Spannset und ein längerer Gasschlauch, damit die Gasflasche ausserhalb des Cockpits (Steuerraum und quasi unsere Terrasse) anbringen kann. Für unsere Luxusgefühle hat Anja Brie, Hüttenkäse und Schinken eingekauft so wie frische Äpfel (Für CHF 3.- das Stück). Am Abend wird bekannt, dass es einen erneuten Erkrankungsfall gegeben habe und somit der Lockdown um weitere 14 Tage nicht gelockert wird. Eine Plane hat sie auch gekauft, damit wir das kleine Dinghi wegräumen können und trotzdem einen Sonnenschutz und Luftfänger auf dem Vordeck basteln können. Das wird in den folgenden Tagen verfeinert (leider ist die Qualität sehr schlecht und so reisst die Plane schon 8 Tagen später ein). Während unserem Feintuning tüftelt Anaïs an der Idee aus einem dicken Tau eine Schaukel zu basteln. Ich helfe das Tau draussen zu befestigen und dann über eine Lucke nach drinnen über ihr Bett zu führen.
Auf dem Farmer's Markt hat Anja unsere Nachbarin kennen gelernt und sie kamen aufs Thema Nähen. Freundlich nachgefragt, durften wir ihre tolle Nähmaschine ausleihen. Die war schon eine gewisse Zeit nicht mehr gebraucht worden und freute sich über eine ordentliche Portion Öl. Danach nähte Anja für uns alle eine stylische Schutzmaske.

Am Mittwoch geht Anja mit Anaïs an den Farmersmarkt und kauft frisches Gemüse und etwas Früchte. Leider wird uns auch Alex von der SY Fitz Roy verlassen. Er hat sich als Crew auf einem anderen Schiff angeboten um nach Europa zu segeln.

Am Donnerstagmorgen haben wir ein Novum, die Bucht liegt total flach. Die letzten Tage hatten wir recht viel Wind und nun steht alles Still. Keine Strömung und kein Lüftlein. Alle Schiffe stehen kreuz und quer. Das hatten wir bisher noch nie, in der Zeit in der wir jetzt schon hier sind. Aber das ist nur von kurzer Dauer, am Nachmittag dreht der Wind auf und zwar um einiges. Wir haben zum Teil Böen bis zu 30 kn. Das sind gut 55 km/h. Das Stand Up Paddle, welches wir am Geräteträger hinaufgezogen hatte, hielt diese Kräfte nicht aus und zwei stabile D-Ringe bogen sich und eine Schlaufe riss aus.

Die Tage vergehen monoton. Ich bin seit zwei Tagen daran, mit meiner Minitauchflasche das Unterwasserschiff zu reinigen. Ich habe einen Luftvorrat von knapp 5 Minuten und so ist der Vorschritt überschaubar. Dies vor allem, da die Schraubenwelle (Achse welche den Motor mit der Schraube verbindet) und der Propeller (Schraube) sind sehr stark zugewachsen. Sie sind voller Muscheln und Seegras. Ich meinte sogar Anemonen oder so etwas darauf entdeckt zu haben. Zudem nisten sich Fischlein und Schwämme in den Borddurchlässen ein. Das sind die Öffnungen wo wir Wasser zu Abwaschen und für den Wassermacher beziehen. (Kommt das davon, dass ich mit Anaïs vor allem Sponge Bob zeichne???)

Es ist schon bedenklich, Anaïs bringt den Virus schon ins Spiel mit ein. Auch habe ich eine neue Erkenntnis gewonnen: Wenn ich um halb vier am Nachmittag einen Rum Cola mische, sollte ich doch zuerst mal auf die Flasche schauen. Der Rum hatte 69% und nicht wie gewohnt 40-45%... Wir hatten es danach ordentlich Lustig… Die Grenadier haben halt andere Gewohnheiten… Aber ein Gutes hat der Rum an sich. Diese Alkoholkonzentration wirkt am Besten gegen den Virus :-D
Es gab leider drei neue Erkrankte auf der Insel, eine davon Asymptomatisch. Ich hoffe sehr, dass die Restriktionen nicht noch lange anhalten. Gemäss eines Presseberichtes sollten die drei Einkaufstage bleiben. Das gibt doch eine willkommene Abwechslung.

Am Montag ist wieder ein Einkaufstag. Wir fragen bei einem der örtlichen Buschauffeure an, der die Seglergemeinschaft unterstützt um Anja einkaufen zu fahren. Taxis und Busse haben Fahrverbot, ausser wenige mit Spezialbewilligung. Patrick, alias Shademan, hat eine solche und holt Anja ab und fährt sie ca. 10min in die Space-Mall. Zu Fuss brauchte Anja das letzte Mal 40min. Dort macht Anja einen Grosseinkauf und fährt danach entspannt wieder zurück. Jedoch bis sie im Laden ist dauerte es eine Weile, die Schlange ist ziemlich lang. Dazu gibt es überall die, die sich noch vordrücken. Im Laden ist leider auch nicht mehr alles erhältlich. Einige der Artikel sind anzahlmässig beschränkt. Anja kann unsere Vorräte mit Wraps, Zucker, Früchte, Gemüse, etwas Kekse, Schinken, Käse, Jogurt, Nutella, Früchte Tee und diverses an Fleisch für die Kühlbox wieder auf. Als Überraschung bringt sie noch einen Becher Schokoladen Eis mit. Eigentlich hätte die Fahrt etwa 13.- gekostet, aber da die Lage für Buschauffeure, die alle mit ihren privaten Bussen herumfahren, nicht wirklich rosig ist, unterstützten wir Patrick etwas mehr. Er ist immer eine grosse Hilfe für die Segelgemeinschaft und tut viel daran für uns herumfahren zu dürfen. Wir wussten auch, dass er eben erst eine neue Batterie kaufen musste. Die kostet hier etwa 460 XCD, also über 150 CHF. Das ist enorm viel Geld hier…

27.3 Die Ausgangssperre lief eigentlich um 0700 Uhr aus und wurde nicht verlängert. Erst am Abend um 1600 Uhr gab es eine Pressemitteilung und eine neue Ausganssperre beginne ab 1900 Uhr. Grossartige Änderung, wir dürfen an den Einkaufstagen während max. 1,5h raus. Jedoch sind Strände nach wie vor gesperrt. Für uns ist es zu spät um noch raus zu gehen aber wir freuen uns auf Mittwoch. Der Dienstag war eher harzig. Kurz nach einem Tauchgang schmerzt mir das Ohr. Wir verdächtigen eine Otitis und fangen sofort mit einer entsprechenden Behandlung an. Es bessert innert Stunden. Danke Pesche für deine Ratschläge.

Am Mittwoch fahren wir mit der ganzen Familie, erstmals seit mehr als 5 Wochen, an die Clarks Court Boatyard. Dort ist wieder ein Farmer's Market und wir decken uns mit Gemüse und Früchten ein und kaufen zur Abwechslung auch wieder mal einen frischen hausgemachten Mango Saft mit. Ein weiterer Lieferant bringt Milch, Joghurt und für uns, respektive für Elija Windeln… Wir profitieren vom grossen Werftplatz, dass die Kinder mit den Trotti's herumdüsen können. Auch Elija ist begeistert von seinem Dreirad-Trottinett. Aber wehe, man hört auf zu schieben. Am Nachmittag fahren wir auf die Hog Island vor unserer "Haustür" und laufen etwas in der Natur herum. Was für ein schönes Gefühl… Verschwitzt kommen wir wieder aufs Schiff und springen in den Pool vor unserer "Terrasse" :-) Ausser ich, ich bleibe auf dem SUP.

30.04. heute ist wieder ein Quarantänetag. Der Mango Saft schmeckt gut gekühlt sehr lecker und für 5XCE kann man da nicht viel sagen (1.20Euro). Wir üben fleissig mit der Gitarre, Anaïs ist nicht sehr motiviert mit mir Lieder zu lernen, dafür will Elija immer wieder damit spielen. Er geht ganz vorsichtig damit um und schrammt fleissig. Weiter basteln wir Feenflügel aus einem Stück Seil und Elija kriegt einen Superheldenumhang aus einem T-Shirt gebastelt. Damit sausen die Kinder hin und her. Zum Zvieri gibt es eine süsse reife Honigmelone und danach noch Popcorn.

Die nächsten Auslauftage sind erst Samstag und Sonntag. Der 1. Mai ist hier wohl sehr heilig. Da wird nicht gearbeitet. Und wir werden einen weiteren Bord Tag verbringen.

Wie gewohnt könnt Ihr unsere (statische) Position auf Noforeigenland nachschauen.