Dezember Beni und Crew

1.12.19 Tag 3
Wir haben den ersten Advent. Es scheint die Sonne und wir haben über 28°C.
Heute haben schon drei kleine Goldmakrelen (Mahi Mahi) angebissen, wir haben ihnen weitere Lebenstage geschenkt, da wir auf einen grösseren hoffen. Leider löste sich bei einem speziellen Köder das Stahlvorfach. Es war bereits nach kurzer Zeit durchgerostet. Tja, jetzt haben wir unsere letzten guten Köder an den Angeln.

02.12 Tag 4
Wir führen ein Grundcheck am laufenden und stehenden Gut durch (das sind alle Leinen welche die Segel bedienen und die Drahtseile welche den Mast halten)
Wir feiern den Geburtstag von Max W. es gibt einen Apfelkuchen mit Kerzen.
Am Nachmittag etabliert sich der Passatwind und wir setzten die Genuas wieder beidseitig. Wir hatten während zwei Tagen die beiden Genuas übereinander gefahren, da wir den Wind von Querab hatten. Nun kommt der Wind aber wieder von Achtern und wir können mit drei Segel fahren. Am Abend wird auch der letzte Köder gestohlen. Mein schon gross ausgelegtes Angelmaterial, ist zu schwach für den Atlantik… Während der meisten Zeit des Tages war es bewölkt und die Sonne reichte nicht zum Laden des Batterieparks. So waren wir gezwungen den Motor während vier Stunden anzuschmeissen um das mittlerweile grössere Defizit aufzufüllen. Der Autopilot muss aufgrund den grossen Wellen (zwischen drei bis vier Meter) ordentlich arbeiten und verbraucht entsprechend Strom.

03.12 Tag 5
Der Wind ist weiterhin bei 5 Bf stabil und die Wellen sind nach wie vor zwischen drei bis vier Meter. Grösstenteils ist es sehr angenehm, aber vereinzelt werfen uns grosse Wellen stark zur Seite. Resultat: Müsli wieder vom Tisch sammeln… Der Koch flucht regelmässig wenn ihm wieder etwas wegrutscht. Am Nachmittag bricht erneut die Achse vom Autopiloten. Thomas macht sich direkt an eine Problemlösung und beginnt mit der Zeichnung eines möglichen Ersatzes. Gegen Ende des Tages wird es immer wie mühsamer. Die grossen Wellen werfen das Schiff hin und her. Man muss sich permanent festhalten und auch in der Koje rutscht man mitsamt der Matratze hin und her.

04.12. Tag 6
Das Wetter ist noch nicht besser. Wir laufen stark gerefft aber immer noch um 6-7kn. Es ist bewölkt und ein Nieselregen macht die Situation nicht schöner.

05.12. Tag 7
Das Wetter hat sich etwas beruhigt. Die Sonne scheint häufiger und wir sind alle Oben ohne, jedoch reicht es immer noch nicht zum die Batterien laden. Der Autopilot braucht viel Energie, das wurde uns endgültig vor die Augen geführt, als er plötzlich zu rattern anfing. Nach kurzer visueller Kontrolle stand fest, es hat das Getriebe verblasen. Garmin Autopilot ausbauen und den alten einbauen. Ich benötigte nur gerade 33 Minuten und wir hatten wieder ein 7ter Mann an Bord. Ich hoffe, dass dieser den Kurs auch gut hält. Einzig gutes, dass jetzt keine Schraube mehr abscheren wird…

06.12. Tag 8
Der Himmel ist bedeckt und es nieselt immer wieder. Am Nachmittag geniessen wir zu fünft die erste Banane. Wir freuen uns darauf, wenn wir uns immer wieder am 14kg Strunk bedienen können werden. Wir sehen einen Katamaran, aber der will uns per UKW nicht antworten. Der Wind ist konstant und wir kommen super voran. Um 1422 hatten wir Bergfest. Die Hälfte ist geschafft. Am Abend wird einer der Wachhabende von einer Gewitterzelle überrascht. Es kommt zu mehreren Patenthalsen (unkontolierter Seitenwechsel des Segels) bei 30kn Wind. Sofort sind alle an Deck und reffen die Genuas weg um das Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Resultat: Die Rindsfilet machen es sich auf den Salonkissen bequem. Ein gekonnter Griff von Marc verhinderte im letzten Moment, dass sich die Zazicki-Schüssel zu ihnen gesellte.

07.12. Tag 9
Es ist eher ein sonniger Tag und auch schön warm. In der Sonne ist es 36.5 Grad. Aber von hinten rollen immer wieder Regenzellen über uns weg. Sie bringen Winde bis zu 40kn (~75km/h) und regen. Wir haben die Genuas zu zwei Nastüchern weggerollt und schiessen dennoch mit 7-10kn mit den Wellen in Richtung Karibik. Zeitweise mache ich es mir mit Musik in den Ohren im Salon bequem und schliesse die Augen. Die Schiffsbewegungen sind sanft wie an einem ruhigen Ankerplatz. Die vier Meter hohen Wellen merkt man kaum, ausser die ganz gemeinen die seitlich das Schiff auf die Seite kippen. Jedoch rollen etliche Regenzellen über uns, jeweils mit kurzem aber starkem Regen und starken Winden

08.12. Tag 10
In der Nacht setzt der Autopilot aus, es wird angenommen, dass auch beim alten Piloten die Achse gebrochen sei. Ich begab mich beim ersten Morgenlicht auf die Suche und konnte die Ursache schnell eruieren und beheben. Es war nur die Mutter die sich gelöst hatte und abgefallen ist. Um die Mittagszeit legt sich der Wind etwas und das Grosssegel beginnt in den Wellen zu schlagen. Wir bergen das Grosssegel und gaben liessen dafür das Passatsegel mehr aus. So wie ich mir das Vorgestellt habe, segeln wir ruhiger und schneller. Und der Kurs ist weniger anfällig für Fehler. Jedoch haben uns die Regenzellen weit nach Norden abgetrieben, sodass wir vor Abendbeginn den Spinnakerbaum auf der Steuerbordseite bargen und die Genua überlappend fuhren. Danach machten wir eine deutliche Kursänderung nach Süden

09.12 Tag 11
Bei Tagesanbruch Baumen (mit zwei Alustangen, den Spibäumen, wird das Segel nach aussen gezogen) wir die beiden Genuas wieder als Passatsegel aus und bergen das Grosssegel. Neuer Kurs; West. Der restliche Tag wird mit Sonnenbaden verbracht und einfach ganz gemütlich.

10.12 Tag 12
Wir haben stetig den gleichen Wind und gleiche Wellen. Es ist bedeckter als am Vortag und Regenzellen streifen uns. Die Stimmung ist gelassen und es die Schiffsbewegungen sehr angenehm. Ich mache mich an den Videoblog und verbringe die ganze wachfreie Zeit am auswählen der vielen Bilder der gesamten Crew.

11.12 Tag 13
Das Wetter ist stabil, aber die Wellen sind sehr hoch. Wir schätzen die Wellen auf vier bis fünf Meter alle halbe Stunde zirka kommt eine böse Welle von der Seite und lässt das Schiff zur Seite neigen. Wir sehen per Radar und AIS, dass ein schwedischer Segler aufholte. Er funkte uns an und wir erfuhren, dass er zu der ARC (Eine Rally über den Atlantik) Flotte gehört. Gegen Abend sahen wir noch einen Zweiten.

12.12 Tag 14
Wieder ein unspektakulärer Tag. Wir hatten Funkkontakt mit einem belgischem Schiff. Gegen Abend gab es mehrere Regenzellen, die unser Schiff entsalzten. Ein leichter Vorgeschmack auf die Karibik. Kurze aber sehr heftige Regengüsse. Ich bin gespannt. In diesen Regenzellen stieg der Wind wieder auf über 40kn an. Da musste man bei der Wache alle Sinne beisammen behalten und sich nicht einschläfern lassen. Das gelang nicht immer jedem. In der Nacht war es meist stark bewölkt und erst gegen den Morgen zeigte sich der zwar abnehmende, aber immer noch fast volle Mond seine ganze Pracht.

13.12 Tag 15

Freitag der 13te. Der Himmel ist zugezogen und es ist eher regnerisch. Wir haben zwar wieder einmal Glück und die meisten Regenzellen ziehen nördlich oder südlich in einem Abstand von wenigen Meilen durch. Die Windänderungen bekamen wir aber immer zu spüren und wir setzten den Motor ab Mittag ein. Erstens, weil der Wind nachgelassen hat und variabel in der Richtung war und zweitens, damit wir genügend Speed haben um noch im letzten Sonnenschein das Ankerfeld zu erreichen. 1600 Uhr, endlich ist Land in Sicht. Ich habe auch baldmal Netz und stelle sofort den vorigen Blog online. Land kommt näher, aber realisieren kann ich es noch schwer. So lange darauf geplant und geträumt und dort ist die Insel, in den Regenwolken bei kräftigem Wind. Von Palmen und Kokosnussfeeling nichts zu sehen. Wir müssen schaurig aufpassen wegen den Fischreusen und den Untiefen die von 80Meter auf wenige Meter hinaufschiessen. Hochkonzentriert nähern wir uns dem Ankerfeld. Wir schätzen etwa 300 Schiffe die sich schon dort befinden. Never seen before. Um 2109 Bordzeit (Wir haben die Zeit von Kap Verden behalten) fällt der Anker in den Sand. Wir stellen die Zeit auf Lokalzeit um: 18:09. Sonnenuntergang und zack bum dunkel. Wir geniessen Spaghetti und gönnen uns ein gutes Glas Wein. Happy gehen wir schlafen. Kaum Schiffsbewegungen dafür umso wärmer…

Transat 2151sm in 14 Tagen, 8 Stunden und 15 Minuten. Das ergibt einen Schnitt von 6.25kn über die gesamte Strecke. Das ist supertoll.

14.12
Wir versuchen einen Hafenplatz zu ergattern, aber wir werden endtäuscht. Der Hafen Le Marin ist rappelvoll. Am Abend gehen wir zu viert trotzdem (halb-illegal) von Bord und gönnen uns ein Bier in einer Strandbar. Surreal kommt mir hier die Weihnachtsdecko vor, bei 30 Grad und Reggeamusik. Beim ersten Blumenkranz stutzte ich und musste überlegen was das soll. Erst als ich die Geschenkdeko so, begriff ich, dass bald Weihnacht ist.

15.12
Ich mache mich am Sonntagmorgen mit dem Dinghy auf um einzuklarieren (Einreiseformalitäten). Es ist weit. Nach ein paar hundert Meter sehe ich eine Schweizerflagge und schon lernte ich neue Leute kennen. Sie kommen aus Neuveville und kennen sich sehr gut aus. Ich erhielt Adressen, Visitenkarten und Info über Info, nicht zu vergessen ein kühles Bier :-D
Ich mache mich weiter auf den Weg und als ich in der Marina ankomme stehe ich vor verschlossener Tür. Mist, 17 Minuten zu spät. Maximum Chill, ich habe mich dem Zeitfluss schon etwas angepasst. Nur ein Crewmember fanden meinen Fehlschlag nicht toll, weil er unbedingt das Schiff verlassen wollte. Aber ich war ja mit den nötigen guten Infos ausgestattet worden. Ich fuhr an das nahe Dinghy-Dock in der Bucht Sainte Anne und ging in die Snackbar von BouBou. Dort konnte ich auch einklarieren und es war erst noch günstiger. Also zurück und Leute abholen für an Land. Natürlich gehen wir zurück in zu BouBou und essen dort eines seiner bekannten Sandwichs.

16.12
Wir lichten den Anker und fahren an den Tanksteg. Wir haben eigentlich einen Platz versprochen bekommen, hatten aber erst Erfolg, als wir uns an der Tankstelle dem Tankwart etwas zu langsam zum weiterfahren vorbereiteten, da rief er einem der Marineros zu er solle uns platzieren und plötzlich waren wir an einem Platz.
Ich begebe mich auf nähere Erkundung wegen diversen Zubehörteilen, die ich erneuern wollte/musste. Am Abend gönnten wir uns einen hyperteuren Burger und hatten es noch einmal lustig.

17.12
Ich besuche die erhaltene Adresse des Motormechs und kurzum wird mein Aussenborder durchgereinigt. Zuerst erhielt ich ein top Angebot für einen neuen Motor, doch dann beim Kauf wollte sie plötzlich den Listenpreis. Nö, nicht mit mir…

19.12
Die Familie ist endlich wieder da. Ich habe wirklich alles in meiner Macht versucht, um auch nur ein paar Stunden im Hafen einen Platz zu bekommen, aber die Marina zeigte absolut kein Herz. Sie wiesen mich an, am Tanksteg kurz anzulegen… Dieser war aber von einer etwa 50 Meter langen Jacht während zwei Tagen zu zwei Drittel belegt, sodass nur ein einziges Schiff noch zusätzlich anlegen konnte. Das vor uns anlegende Schiff, zeigte Herz und wir konnten kurzfristig bei ihnen an die Seite und die Familie mit ganzem Gepäck über ihr Schiff auf unseres hieven. Ich hätte mir die Ankunft der Familie einiges einfacher gewünscht. Danach gab es keine Pause für ein Wiedersehensplausch. Wir mussten weiter ins Ankerfeld zurück. Erst dort, konnten wir ausschnaufen und uns in den Arm nehmen und etwas plaudern. Am Abend treffen wir noch Thom aus der Schweiz, er hat seinen Törn gerade beendet und fliegt am nächsten Morgen wieder nach Hause. Wir erfahren, dass es in der Bucht über 3000 Schiffe hat...

Die folgenden Tage verbringen wir viel am Strand zusammen mit der Familie von Thomas. Die Kinder verstehen sich auf Anhieb und wir geniessen eine tolle Zeit.

Zwischen dem 26.12 und 28.12 reisen wir etwas nördlich in ein schöne und ruhige Ankerbucht. Dort im Hafen liegt die SY Fredrika. Die beiden Abende mit der Crew taten gut und es war schön Freunde wiederzutreffen.

29/30.12 geniessen wir noch einmal ausgiebig die Gemeinschaft mit Thomas und seiner Familie bevor sie wieder in die Realität zurückkehren müssen.

Jetzt steht bald Sylvester vor der Türe. Wir haben heute Gäste von der SY Placebo. Ein Ehepaar von La Neuville

Wie gewohnt könnt Ihr unsere Position neben Noforeigenland auch über Garmin InReach verfolgen. Den Link findet ihr auch auf unserer Webseite unter der Reiseroute. Die MapShare von Garmin wird jeweils genutzt wenn wir lange Schläge machen und ausserhalb der AIS Reichweite kommen.