Juli 2020 (Teil 2)

(Beni) Mittwoch 15.07 Nach dem Farmersmarkt geht Anja einem Freund helfen, der bei seinem Schiff Sattlerarbeiten machen lässt. Der örtliche Arbeiter hat die Arbeiten nicht schön ausgeführt und nach der Anweisung von Anja, hat er den Bettel hingeschmissen. Anja springt ein, schneidet die Teile zu und näht sie ab. Ich verbringe den Tag am Strand und esse mit den Kindern Melonen und Bananen. Es kommen auch noch andere Familien und so ist Abwechslung Programm. Am Abend essen wir wieder gemeinsam am Strand Café Complet.

Freitag 17.07 Ein gewöhnlicher Freitag, ausser am Abend. Gegen vier treffen die ersten Musikanten ein, gegen 5 beginnt die Jam Session. Mehrere Gitarrenspieler, Bassgitarre, Tenorsaxofon, Flötisten und Flötistinnen und ein Violinist treffen sich und spielen zusammen. Ich konnte leider nicht mitmachen, wir hatten für BBQ abgemacht und ich feuerte den Grill an. Wir waren wieder fünf Crews, die sich die Glut und den Abend teilten.

Samstag Anja fährt an den Strand, während ich den Wassermacher noch kurz im Auge behalte. Als ich loswollte, brachte sie Anaïs zurück. Konsequenzen müssen halt nun mal durchgesetzt werden, wenn die Kleinen nicht gehorchen konnten. So wurde zuerst etwas geweint aber als sie sich beruhigt hatte, bereiteten wir zusammen das Mittagessen vor. Am Nachmittag gingen wir an den Strand, wo ich das Dinghi an der Entwässerungsschraube des Doppelbodens neu abdichtete. Am Strand trafen wir Keith von der SY Plan B. Er lud uns zum Abendessen ein. Die Crew der SY Vite et Rêve kam auch mit ihren Kids. So waren wir sieben Erwachsene und neun Kinder. Da hatten wir alle Hände voll zu tun, da der Katamaran nach hinten offen war. Anja kümmerte sich um eine riesen grosse Packung Pommes, die wir mitgebracht hatten. Leider ging der Ofen nicht wirklich, und die Pommes mussten in einer Pfanne frittiert werden. Wir fütterten zuerst die Kinder und als diese wieder Spielen gehen, bekommen wir einen perfekt grillierten Thunfisch serviert. Dazu gibt es Wasabi und Sojasauce. Nach dem Abendbrot wurde noch auf den neuen Namen des Schiffs angestossen und danach ging es um 2200 Uhr auf direktem Weg zurück aufs Schiff und ins Bett.

Sonntag 19.07. Heute ist am Strand wieder sehr viel los. Für uns hat es zu viele Leute und so beschliessen wir, ein paar Burgers zu kaufen und dann zurück auf dem Schiff zu essen. Danach gings auch entsprechend früh ins Bett.

Montag. Ich ging mit Gary und Anaïs in den Schiffszubehörladen. Diesmal klappte der Gratisbus und wir waren genug Kunden, dass der Laden die Fahrt übernahm. Nachdem wir so viel Streit zwischen den Kindern wegen dem Bodyboard schlichten mussten, kriegte Elija ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk. Nun haben beide eins und beide planschen glücklich mit den Boards. Anaïs sah im Laden einen schönen pinken Schnorchel und durfte sich diesen einpacken. Am Nachmittag fuhren wir nach Phare Bleu. Dort genossen wir den "coolen" Pool. Anaïs schnorchelte fleissig und Elija sprang vom Beckenrand ins Wasser. Natürlich mit der neuen Weste, die über Freunde von Freunden den Weg von Martinique zu uns schaffte. Danke Anja und Fred.

Dienstag. Am Morgen gings früh an den Strand und für mich ins Bootcamp. Danach fuhren wir zusammen in die Nachbarsbucht, wo Anja weiter auf dem Katamaran eines Freundes die Arbeiten überwachte und anschaute. (Sie konnte nicht mehr weiternähen, da ihr der Faden ausgegangen ist. Wir dachten, Faden sei einfach zu bekommen, aber der muss via USA importiert werden. Dank der Swisslady, die ihr Segel reparieren lassen musste, konnten wir von diesem Segelmacher eine Spule erwerben.)  Ich ging währenddessen auf der anderen Seite der Bucht in einen kleinen Einkaufsladen und kaufte Hackfleisch für Spaghetti Sauce ein. Als ich mit den Kidis der Strasse entlanglaufe, pfeifft mich ein Einheimischer zu sich. "Did you seen bevor a Marihuanatree" Ich bejate und suchte nach einer schönen grossen Pflanze, bis er voller Stolz auf das kleine zierliche Pflänzlein, zirka ein Meter von mir entfernt zeigt. Ach so,… dieser "Baum" ist aber wirklich schön. Ich bin immer wieder fasziniert von der grenadischen Offenheit. Als wir am Dock zurückwaren, gönnten wir uns noch ein Apéro zusammen mit der SY Swisslady. Diese sind kurzfristig in der Marina, um gewisse Arbeiten offerieren zu lassen. Am Nachmittag gehen wir alle vier an den Strand. Eines der Boatkids hat seinen 12ten Geburtstag und es läuft ein grosses Fest mit vielen Kindern.

Unsere weiteren Wochenpläne wurden aber etwas durcheinandergewirbelt. Gonzalo meldete sich an und wollte uns besuchen… Wer ist Gonzalo? Bis am Dienstag hiess er noch L99. Ein Tiefdruckgebiet, welches zu einem Tropischen Sturm anwuchs. Eigentlich wollten wir am Mittwoch ein Stadtbummel machen, aber bei den Wetterprognosen liessen wir dies sein und gingen am Abend nur in die West Indies Brewery. Das erste Mal für uns, wir haben so viel Gutes davon gehört. Wir wurden nicht enttäuscht, das Bier war fantastisch und die Preise fürs Essen waren auch unschlagbar. Anja und die Kids hatten Fish and Chips. Für mich gab es "smoked Sparerips". Dazu gab es gutes Hausbier. Ein gelungener Abend. Natürlich wurde mit unseren Freunden fleissig darüber diskutiert, wohin Gonzalo dreht, wie stark und welche Vorbereitungen wir treffen sollten. Das war in den nächsten Tagen dann auch das Hauptthema und die Hauptbeschäftigung für uns und alle unsere Freunde. Gonzalo wurde zum Hurrikan Stufe 1 befördert.

Echt jetzt? Genau das brauchen wir gerade… Wir bleiben in Grenada wegen Covid stecken und fühlen uns recht sicher hier. Und dann kommt ein Rekord-Hurrikan (Anscheinend gab es noch nie ein Hurrikan mit dem Buchstaben G so früh in der Saison) genau auf uns zu. Aber so richtig genau, ganz genau. Das Hurrikan Zentrum zeigte die Laufbahn direkt über unsere Ankerbucht. Viele Segler, darunter viele unserer Freunde, zogen sich in andere Buchten zurück, damit sie genug Platz haben. Dies gab uns genügend Platz zum Schwingen.

Wir nutzten den erneuten Freiraum aus und hoben den Anker, um wieder etwas an die alte Ankerstelle zu kommen. Ihr erinnert euch vielleicht, vor etwa zwei Monaten korrigierten wir unsere Position etwas zu gut und kamen Backbord (links) etwas Nahe an die anderen Schiffe. Immer noch genug, aber doch könnte es besser sein. Also nutzten wir diese Gelegenheit und setzten uns um. Um ganze sieben Meter :-D und schäkelten direkt einen zweiten grossen Anker an die Kette. Nun habe ich in den ersten 15 Meter Kette zwei Anker, die mich am Platz halten. Dazu gaben wir noch mehr Kette raus als bisher.

Freitagmorgen erledigte Anja zusammen mit ihren Freundinnen, mit dem Shoppingbus einen Grosseinkauf. Nun sind wir auch lebensmitteltechnisch gewappnet. Wir räumten alles ums Schiff und im Schiff auf, um Sturmsicher zu werden. Reinigten am Strand das SUP, liessen die Luft raus und räumen es in die Segelkammer weg. Wir packten die Fender in Griffnähe, um im Falle eines Zusammenstosses oder Windstille das Schiff vor Kollisionen zu schützen. Zweimal pro Tag kam ein Update über die Laufbahn Gonzalos raus. Anfangs hiess es nördlich, quasi über Carriacou/St. Vincent. Doch Freitagnachmittag hiess es plötzlich über uns oder etwas südlich von uns. Dies bedeutet für uns von eher schwächeren Winden und Flauten wechselte es zu Starkwind und Sturmwinden in Hurrikan stärke. Die stärksten Winde sind nördlich des Wirbels. Also beschlossen wir noch am Abend, (in der Ruhe vor dem Sturm mit sternenklarem Himmel) doch noch das Vorsegel und auch die vordere Sonnenabdeckung zu Bergen und in Sicherheit zu bringen. Das gibt der Vorteil, dass der Windangriffspunk weiter hinter am Bug ist und das Schiff entsprechend stabiler im Wind liegt und ein weniger starkes Zickzackmuster am Anker "segelt". Diese Entscheidung war goldrichtig.

Samstag, Stepvisite von Gonzalo. 0500 Uhr (Pik ist auf 1800 Uhr angesagt) werden wir wach. Es regnet kurz, dann schüttet es wie selten zuvor. Dazu kamen Winde von 30-35 kn. Das Schiff krängt im Zickzackmuster (legt sich etwas zur Seite). Es blitzt, den Donner hören wir kaum. Ich überwache unsere Position am Kartentisch und bin froh, dass ich das GPS wieder zum Laufen gebracht habe. Kurz darauf ist der Spuck zu Ende. Aber wieder einschlafen geht schwer. Es wird schon hell. Als wir dann um 0730 Uhr aufstehen, bringen wir in der ersten Regenpause eine Schutzplane auf die vorderen Luken an. Das Dinghi lassen wir im Wasser, denn der angesagte Wind sollte eigentlich nur knapp Sturmstärke erreichen. Wir entfernen gerade noch rechtzeitig die Haupt Sonnenabdeckplane und das Bimini (Cockpitabdeckung) werden nur kurz, aber trotzdem richtig nass. Nun sind wir bereit und machen uns auf einen faulen Tag bereit. Zum Znüni gibt es Gemüsedips, Salami und Chips. Kurz darauf steht auch schon das Mittagessen an.

Ein Wetterfrosch meinte Hurrikan Gonzalo sei genauso ein Versager, wie sein politischer Namensvetter…

Der Sonntag wurde schön und es wurde ausgiebig das schöne Wetter genossen. Anja ging mit paar Mädels wandern und ich ging zusammen mit den Kindern und Freunden in die Bierbrauerei zum Frühstück. Nach ein paar Bier waren die Kinder echte Engel… Nein, Witz! Es gab leckere Zmorgebrötli und richtig guten Kaffee. Für die Kinder gab es ein Teller Pommes. Bei der Rückkehr hatte Anja bereits die Sonnenschutzplanen aufgespannt und wir machten uns einen gemütlichen Rest des Tages.

Wir entschlossen uns kurzerhand, den montags Farmersmarkt auszulassen und fuhren mit dem Bus in die Stadt. Wir besuchten ein Kinderspielwarengeschäft und nahmen danach wieder den Bus an den grossen Strand der Grand Anse. Leider war ganz schön Schwell und Sargassum (Seegras) welches den Badespass etwas dämpfte. Aber das war nicht so schlimm, denn wir gingen gleich darauf mit den Schweizern zum Italiener bei der Shoppingmal. Dort gibt’s Wahnsinns Millefeuilles und natürlich den passenden Kaffee. Nach dem Schlemmen gingen wir zusammen einkaufen, danach mit dem Taxi in die Brauerei und von dort eine Stunde später weiter zum Hafen. Dank dem Verhandlungsgeschick von Beat konnten wir unsere Einkäufe im Taxi lassen.

Freitag 31.07. Elija wird zwei jährig. Wir haben mit mehreren Familienbooten abgemacht und begeben uns am frühen Nachmittag in die Bierbrauerei. Dort hat es ausreichend Platz für uns alle und vor allem für die Kinder. Wir waren acht Crews darunter 13 Kinder. Wir genossen ein paar Bier, durften den mitgebrachten Kuchen zum Apéro essen und bestellen danach nach und nach das Abendessen. Noch im Hellen laufen wir schlussendlich zurück und fahren aber im Dunkeln nach Hause. Hier wird gibt es keine Dämmerungsphase. Es ist hell, dann geht die Sonne unter und es wird dunkel. Fast wie mit einem Schalter das Licht ausgeknipst wird.

Wie gewohnt könnt Ihr unsere (statische) Position auf Noforeigenland nachschauen. Ich habe unsere Position aktualisiert. Normalerweise ist ein Filter vorgewählt, auf welchem Schiffe welche mehr als drei Monate nicht bewegt wurden ausgeblendet werden.