Juni 2020 - Teil 1

(Beni) Unser zweites Jahr beginnt.

Das Wochenende liessen wir den Strand aussen vor. Es war sehr regnerisch und machte uns nicht so an, von Bord zu gehen.

Montag, 01.06. Anja geht an den Markt während ich mit den Kidds am Strand bin. Tom von der SY Madonna ist ebenfalls am Strand und wir machen eine grosse Sandschildkröte. Am Nachmittag schneidet mir Anaïs die Haare. Während einer gefühlten Ewigkeit sitze ich und werde ganz vorsichtig geschoren. Aber das Resultat ist gar nicht so schlecht. Anja muss nur wenig nachbessern.

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Dienstag gingen wir am Morgen wieder an den Strand. Am Nachmittag als ein eine kurze Zeit der Wind nachliess ankerten wir um. Es ging alles viel besser als befürchtet. Der Anker kam leicht aus dem Schlick und war auch nicht übermässig lehmig. Wir ankerten um 11 Meter um, damit wir, wenn schlechtes Wetter kommt, noch mehr Kette legen können. Im Moment haben wir 50 Meter draussen und wir wollen mal schauen, wo wir uns einpendeln. Die Ankerkette war nur in den ersten zehn Meter stark bewachsen, danach war die Kette recht sauber.

Am Mittwoch gingen wir alle zusammen an den Markt. Wir trafen dort auch noch mehrere Crews von befreundeten Booten. Einzig die Kinder zwangen uns für eine rasche Rückkehr. Am Nachmittag packte ich trotz Regenwolken die Gelegenheit, um Geld abholen zu gehen. Dies ist ein Fussmarsch von über einer Stunde. Nach dem Bankomaten schlüpfte ich noch vor Ladenschluss in den Hardwarestore (Art Baumarkt) und organisierte einen Vergaser Reinigungsspray. Der Vergaser macht immer wieder kleine Macken und ich muss die Verunreinigungen mal mit Druck rauspusten.

Der Aussenborder hat auch neue "Foils" erhalten. Ich bin noch nicht überzeugt, dass diese einen Mehrwert bringen. Etwas stabiler ist das Fahrverhalten allemal.

Am Donnerstag 04.06 (unserem Hochzeitstag) fährt Anja mir den Kidds an den Strand. Ich tanke mit den beiden Reservekanistern (mit Diesel von Madeira und den Kap Verden) den Haupttank der Anduril. Danach will ich mit dem SUP an den Strand und bemerke, dass der Wassermacher kein Wasser mehr macht. Ich schalte ab und paddle an den Strand. Bei bis zu 20kn (37km/h) geht das ziemlich in die Arme. Dort angekommen tausche ich das Gefährt und fahre mit dem Dinghy in die Marina zur Tankstelle, wo ich die beiden Benzinkanister und ein Dieselkanister wieder auffülle. Der Dieselkanister wird auch sofort wieder in den Tank eingefüllt. Am Nachmittag geht’s auf Fehlersuche mit dem Wassermacher. Der Fehler ist schnell gefunden. Ein kleines Fischchen hat sich verirrt und blieb im Schlauch stecken. Da ich schon dran war, baute ich die ganze Pumpe aus und nahm die Membrane auseinander. Gemäss Kundendienst von Katadyn habe sich möglicherweise Kohlepartikel vom Filter an der Membrane angesetzt. Tatsächlich befand sich dort "dunkle Materie" :-D Nachdem alles wieder zusammengebaut war, tat der Wassermacher seinen Dienst wieder. Auch war das Wasser viel schneller trinkbar. Nach einer guten Stunde war wieder aufgeräumt. Während Anja das Abendessen vorbereitet und ich hier einige Zeilen schreibe, sind beide Kinder in die Kojen verbannt worden. Anaïs will ihre Zvieri-Banane partout nicht essen und Elija entdeckt seine Leitplanken. Er klettert auf alles hinauf, auch auf den schon angeschlagenen Mehrfachstecker des 230V Systems. Ein Punkt, wo wir kein Pardon kennen. Naja, wir freuen uns, wenn die beiden im Bett sind und wir mit einem "Planteur" dem Rum-Punsch auf unser Jubiläum anstossen können. Hoffentlich in Ruhe…

05.06 Der Jubiläumstag unserer weissen Hochzeit. Es regnet den ganzen Tag, aufgrund einer "Tropischen Welle" ( ein Bereich mit  hoher Gewitteraktivität und Bewölkung, die von Osten über einen Grossteil der Karibik wegfegt. Diese Wellen entstehen häufig in Nordafrika und werden durch den Passatwind über den ganzen Atlantik getragen) bringt typischerweise auch intensiveren Regen mit. In der Regenzeit regnet es häufig aber nur kurz. Aber bei diesen tropischen Wellen kann es eben so regnerisch werden. Übrigens entstehen aus diesen tropischen Wellen die tropischen Stürme oder sogar die Hurrikans. Wir haben gehört, dass es alle paar Tage eine solche Welle geben kann. Wir hatten den ganzen Nachmittag Katja und Jaden von der SY NoAnka zu Besuch.

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Samstag. Wir gehen am Morgen wieder an den Strand und treffen die Familie Fleet. Ich verkaufe an sie das Surfbrett im Auftrag von Felix. Es war lustig, ich erhielt von Felix in Deutschland, als Überbringer des Brettes, die Nummer vom Käufer und als ich das WhatsApp Profil öffnete, sah ich, dass wir uns schon kennen. Am Nachmittag genossen wir den Besuch unserer Nachbaren. Wir erfuhren wie sie hierherkamen und sie wollten viel über uns wissen. Es war so toll wieder einmal zusammen zu sitzen und etwas zu quatschen. Es gibt nur noch einen einzigen Coronafall auf der Insel und wir fühlen uns alle recht sicher.  

Am Sonntag gehen wir an den Strand. Es ist wieder strahlendes Wetter. Nach und nach kommen immer mehr Familien. Manche bringen Bier, wir haben Cake mitgebracht. Ander bringen Muffins. Shawn vom Früchtestand kommt mit seiner Frau und bietet seine Früchte und Gemüse an. Alle Kinder bekommen eine Pfirsich-Mango. So süss und saftig. Die zergehen im Mund wie Butter. 11 Uhr verstreicht und niemand kümmerts. Es kommen auch laufend neue Einheimische… Mit schwerem Herzen gehen wir zurück. Die Kinder brauchen etwas zwischen die Zähne und Elija ist richtig müde vom vielen Baden und spielen. Den ganzen Nachmittag sind Leute am Strand und die Bar hat wieder geöffnet. Alle sind frohen Mutes und freuen sich ab dem unbekümmerten Dasein. Wir hören am Funk, dass die Coast Guard in den Buchten sein soll. Aber aufgrund eines Schiffes, welches nicht wie vorgeschrieben in der Quarantänezone geankert habe sondern im 6sm (10km) entfernten Woburn Bay. Bei Sonnenuntergang kommt es noch zu einem Unfall zwischen zwei Einheimischen Booten. Ein Taxiboot fährt nach Beginn der Ausgangssperre mit seinen Gästen, welche ja verbotenerweise am Strand waren, unter vollgas in Richtung Clarke's Court. Nach der Brücke kam ein Fischerboot mit zurückkehrenden Fischern quer zum anderen Schiff. Trotz rufen und Armzeichen kam es zur Kollision. Das Taxiboot fuhr weiter und das kleine Fischerboot sank kurze Zeit später. Zwei der drei Fischer, welche nicht schwimmen konnten, retteten sich auf ein verlassenes Segelschiff. Der dritte hielt sich an der Ankerkette fest. Sie wurden von dem umliegenden Segler als Einbrecher und Räuber gehalten und entsprechend aggressiv angegangen. Bis John von der SY NoAnkka, welcher auf genau dieses Segelschiff aufpasst, machte den Zusammenhang des Unfalls und diesen drei Personen. Er fuhr mit seinem Dinghi dorthin, half dem Fischer im Wasser ins Boot und fuhr die drei an Land.

Montag. 08.06. Es ist wieder Sonnenschein puur. Während ich am Strand bleibe, fährt Anja zum Farmersmarkt. Danach haben alle genug Sonne abgekriegt und eine leichte Rötung macht sich bemerkbar. ("Mann" könnte ja, den Kindern gleich, Sonnencreme einschmieren…) Auf dem Schiff wird das Dinghi auf Deck gehoben und nach dem Mittagessen mache ich mich an die Reparatur eines kleinen Lochs. Der Kleber der einstigen Reparaturstelle hat sich gelöst und die Luft entwich blubbernd aus dem Boot. Zudem hat sich jetzt auch auf der anderen Seite der Verbindungsstreifen, der den Festboden mit dem Schlauch verbindet auf etwa 50 cm gelöst und musste geklebt werden. Ich hoffe, dass jetzt wieder für ein paar Wochen Ruhe ist.

Wow, diese News am Dienstagmorgen. Neu ist der Strand bis um 1700 Uhr offen. Neben anderen Lockerungen, die uns kaum tangieren ist dies aber ein lang erwarteter Tag. Wir gehen natürlich am Morgen und auch am Nachmittag an den Strand und machen neue Bekanntschaften.

Mittwoch ist wie immer Farmer's Market. Die Nacht durch hat es heftig geregnet. Das Dinghi war recht voll mit Wasser und wir liessen den Strand am Morgen ausfallen. Also direkt zum Markt und dann wieder zurück zum Mittagessen. Es gab wieder mal Wraps mit Rotkraut, Linsen, Bohnen mit Poulet und verschiedene Saucen. Zum Beispiel die Kombi von Mojo und Mango Chutney (mit mexikanischen Chili) ist total lecker. Am Nachmittag klart es auf und wir fahren an den Strand. Es kommen immer mehr Leute. Am Anfang waren nur wir und ein paar Einheimische da. Einer schenkte Elija Bananen. Und wir sprachen etwas mit dem Fischer. Bald darauf, nach dem Woher und wer wir sind, kommt er mit Vee zurück. Verena Wyss lebt mit ihrem Mann seit sieben Jahren hier. Sie waren vor langer Zeit nach Kanada ausgewandert und nun eben seit Jahren hier dem Segelboot hier. Kurz darauf, kamen auch andere "locals" und fütterten Elija mit Bananen. Wir teilten dafür mit Anjas Cacke. Später kam auch noch eine belgische Familie mit drei Kinder an den Strand. Da ihre Kinder Siebenschläfer seien, hätten sie es vorher noch nie geschafft an den Strand zu fahren. Roger, der Barkeeper kam ebenfalls und entleerte den vom Regen überschwemmten Sitzplatz. Es grub einen kleinen Kanal, aus welchem ein kleiner Bach wurde und an eine Stunde lang den kleinen See auf dem Sitzplatz abfliessen liess. Die Kinder hatten ein riesen Gaudi darin hin und her zu springen. Nur immer Strand und Meer wird ja auch langweilig, somit ist etwas Abwechslung ideal.

Donnerstag. Heute war Feiertag. Also keine Läden offen. Ich fuhr alleine in die Marina um im Restaurant einen grösseren Download auf dem Notebook zu tätigen. Später gingen wir an den Strand und Tom von der SY Madonna fragte, ob wir am nächsten Tag auch am Strand seien, er habe eine Überraschung für die Kinder. Am Abend war eine Tropical Wave angekündigt. Weder der Wind nahm wesentlich zu, noch gab es den angesagten heftigen Regen.

Freitag. 12.06. Wie jeden Tag fuhren wir gegen 0830 an den Strand. Kurz darauf kam Tom angetuckert und er hatte die versprochene Überraschung dabei. Die Kinder sahen das riesige aufblasbare Einhorn schon von Weitem und sprangen auf Tom zu. Seit diesem Moment, hat Anaïs alle Scheu gegenüber ihm verloren. Er ist happy, den Kindern so eine Freude gemacht zu haben. Da gestern Feiertag war, hatte die Marina ihre Tankstelle heute offen. Ich fuhr dorthin, um einen Kanister Diesel zu tanken und gab die Wäsche zum Waschen ab. Danach fuhr ich wieder zu Anja und den Kids an den Strand. Auch am Nachmittag vertreiben wir unsere Stunden am Strand. Am Abend kamen immer mehr Leute. John von der SY Noanka hatte seien Grill dabei und feuerte für Sparerips ein. Wir überlegten wie und was wir auch organisieren könnten und entschlossen und dann dennoch das Abendessen auf dem Schiff einzunehmen und die Kids normal ins Bett zu bringen.

Samstag. Morgens Strand und am Nachmittag blieben wir auf dem Boot. Wir badeten viel und Anaïs schwamm das erste Mal einige Meter ohne Schwimmhilfen hinter dem Boot. Wir badeten ausgiebig und genossen den Tag.

Sonntag 14.06. Heute war ich mit den Kids am Morgen allein am Strand. Zum Mittagessen fuhren wir aufs Boot und ich grillierte Würstchen. Am Nachmittag waren einige Leute schon am Strand als wir eintrafen. Es kamen immer mehr und auch die erst kürzlich getroffenen Familien. Am Schluss waren wir 6 Familien und 16 Kinder. Es war sehr interessant und ein rechtes Gewusel mit so vielen Kindern. Anaïs ist noch sehr vorsichtig mit den anderen Kindern, welche alle englisch sprechen. Dafür freuen wir uns über mehr Eltern am Strand. Und natürlich die vielen Gespräche, dazu ein gemütliches Bier.

 

Wie gewohnt könnt Ihr unsere (statische) Position auf Noforeigenland nachschauen.