November 2019 - Vorbereitungen für den Transat - Reise bis in die Kap Verden

(Beni) Wir verbringen drei Tage vor Anker und gehen jeden Tag an den Strand zum Baden und Sandburgen bauen. Martin liess seiner künstlerischen Ader Freiraum und bildete eine Meerjungfrau. Vor der letzten Nacht waren starke Winde vorausgesagt, sodass wir noch mehr Ankerkette auslegten. Wäre nicht nötig gewesen, da der Wind von der Insel abgehalten wurde.

Am 03.11.19 hatten wir vom Schwell genug, lichteten den Anker und Motoren eine Stunde weiter. Wir machten in einem Ankerfeld vor dem Touristenstrand «Playa de las Vistas» die SY Rivandel aus. Diese deutsch-französische Familie lernten wir in La Gomera kennen. Selbe Destination – selbe Route. Wir ankerten direkt hinter ihnen und gingen Hallo sagen. Später trafen wir uns alle am Strand, wo die Kinder spielten, plantschten und im Sand spielten. Wir genossen in der Sonne ein kühles Bier. An diesem Strand waren wir super geschützt vor den grossen Wellen und blieben zwei Nächte. Dabei lernten wir wieder mehrere Familien auf Booten kennen. Zum einen die SY Utopie und der Katamaran der Wanderlust DNA.

Am 05.11.19 waren wir gezwungen den Anker wieder zu lichten, da starke Winde vorausgesagt wurden. Deshalb blieb leider das Kennenlernen mit der Wanderlust nur sehr flüchtig. Anders die Utopie. Wir setzten gleichzeitig Segel und kamen auch gleichzeitig im Hafen San Miguel in Teneriffa an. Die Ankunft war chaotisch. Per UKW (Funk) erhielt ich keine Antwort vom Hafenbüro. Ich habe versucht zu reservieren, aber ausser einer unfreundlichen Antwort, dass sich in meiner Anfrage ein Fehler eingeschlichen habe, blieben alle weiteren Kontaktversuche unbeantwortet. Ich legte an einem freien Steg bei der Tankstelle an. Kaum fest, kamen die Betreiber des U-Bootstandes angerannt und sagten uns wir sollen uns verziehen. Die Utopie legte mittlerweile seitlich an uns an, da es schon ordentlich wehte. Wir versuchten beide einen Platz zu organisieren. Kurz darauf sahen wir wie ein Schiff auf der gegenüberliegenden Seite ablegte. Wir starteten sofort die Motoren und legten, diesmal in umgekehrter Reihenfolge an. Schlussendlich erhielt ich Antwort von der Marina (Ich habe diesmal auf Spanisch angefunkt und siehe da…) Wir konnten demnach an einem 18 Meter Stahlschiff anlegen und die Utopie kam seitlich zu uns. In den kommenden 14 Tagen lernten wir uns kennen und schätzen. Wir halfen etliche Male sein Schiff zu schützen, wobei er trotzdem zweimal gerammt und beschädigt wurde. Der total unorganisierte und überfüllte Hafen wurde so mit Schiffen aufgefüllt, dass wir bei 45kn Wind (9Bf = Sturm) mit bis zu 4 Schiffen an einem Päcklein; d.h. alle liegen seitlich aneinander und werden auf einer Seite zusätzlich an Land fixiert, waren. Wenn man an Land will, muss man über alle anderen Schiffe. Um die Einkäufe zu verstauen, bedeutete dies eine zusätzliche Hürde.

Die Vorbereitungen für den Transat laufe auf Hochtouren an. Martin half überall mit und war für mich eine super Hilfe. Wir bauen zunächst am Schiff hier und da etwas an, tauschen alte Leinen aus, bringen eine Kräuterbeet Halterung sowie andere Verstaumöglichkeiten an. Viel Zeit benötigt die Erkundung, wo was gut und günstig zu erwerben ist. Wir machen einen Wochenplan und fahren neben den vielen Arbeiten aber auch noch in den Teide Nationalpark zum grossen Vulkan. Dann heisst es wieder ein paar Tage arbeiten. Ich tausche noch die Armaturen am Spülbecken, weil diese undicht war, aus. Jetzt haben wir sogar einen ausziehbaren Wasserschlauch. Wir bringen Halterungen an, um Wasserflaschen sicher lagern zu können. An einem weiteren Tag besuchten wir das Anaga-Gebirge. Nach dem Wandern suchten wir ein 12Volt Relais um den Alarm in meine Kabine zu verlegen. Es hat viele Bootsshops. Aber keiner hat Zubehör, die wollen nur Motorboote verkaufen. Nach etwa 12 Läden, wo ich auf der ganzen Insel hin und her geschickt wurde, hatte ich Erfolg. Also, das kam mir schon etwas spanisch vor :-p

An einem Tag wurde Anja unverhofft vom Steg her gerufen. Es war Ralf von der SY Flora. Wir haben seit längerem Kontakt via Facebook. Und da stehen die da. Martin übernimmt am Abend die Kinderüberwachung und wir können wieder einmal ganz unbeschwert ein Gläschen auf dem Schiff der Beiden trinken gehen. Ich bin jedes Mal von neuem sprachlos, wie viele nette und interessante Leute wir hier kennen lernen. Und doch ist es auch schmerzlich, die gewonnen Freunde viel zu schnell wieder verlassen zu müssen. Ich freue mich riesig jeden von ihnen in der Karibik wieder treffen zu können.

Wir werden von der Crew eines alten Schiffes zum Nachtessen eigeladen. Es handelt sich um eine Replika eines über 2000 Jährigen Schiffs. Wir lernten die Crew kennen und schlossen neue Freundschaften.

Die Tage bis zur Ankunft von Thomas, dem Abflug der Familie und die Ankunft der restlichen Crew werden immer weniger. Es geht alles Schlag auf Schlag. Martin hatte mittlerweile eine kleine Bar ausgemacht und wir gingen am Abend dort etwas Trinken und Billardspielen. Meistens Martin und ich.

13.11. Der Grosseinkauf steht an. 3 Einkaufswagen so voll, dass ich beim Schieben immer wieder aus den Flip-Flops rutsche. Tags darauf wird geliefert. Alles verräumen und organisieren, Tetris 1.0. Am Freitag kocht Martin den ganzen Tag vor. Wir gehen als Familie noch dies und das organisieren. Die Tiefkühlbox traf pünktlich ein. Einbauen und sofort überprüfen. Thomas kam am Sonntag an. Da er vom Flug müde war, übernahm er die Aufsicht der schlafenden Kinder und Martin, Anja und ich gingen ins Irish-Pup Billard spielen. Tags darauf flog die Familie weg. Ein Monat werde ich jetzt ohne Frau und Kinder sein. Zum einen wird die Atlantiküberquerung sicherlich einfacher ohne Kinder und zum andern finde ich es schade, da wir eine entscheidende Hürde nicht zusammen gehen können. Ich fuhr zum Schiff zurück und holte die Beiden ab. Früchte und Gemüsekauf stand an. Wir packten ein und füllten unsere Einkaufstaschen. Als wir nach den bestellten Bananen fragten und danach noch Kistenweise Salat wollten, ganze Harassen Zwiebeln auswählten, begannen die Verkäuferinnen plötzlich zu rotieren. Es ging super schnell und es waren 4 Männer da, welche einpackten und das Auto beluden. Tetris 2.0. Zurück aufs Schiff und abladen. Weiter geht’s zum Frischfleischkauf. Wir füllten unsere Kühltaschen randvoll von Tiefkühl- und Frischfleisch. Ab zum Schiff und die Kühlbox füttern. Die 45 Liter Fassungsvolumen wurden Formschlüssig ausgenutzt Tetris 3.0? Am Abend zu dritt kennenlernen um den Billardtisch. Wir hatten viel Spass.

Am Dienstag 19.11.19 kommt der Rest der Crew. Was folgt wohl nun am Flughafen? Richtig Tetris 4.0. Ich holte schliesslich mit dem gemieteten Fiat Panda die ankommenden voll ausgerüsteten 3 Seemänner. Nicht zu vergessen, dass sie mir meine Taucherausrüstung mitbrachen… Am Abend gehen wir in ein Restaurant zum Essen und uns kennen zu lernen. Es war toll und das Essen war köstlich.

Am Mittwoch 20.11.19 ging es mit dem bereits von der Marina bekannten chaotischen Prinzip zur Tankstelle. Anlegen – Ablegen – Anlegen und endlich tanken. Und gleich geht’s weiter. Martin kam zurück vom Mietautoabgeben und hatte noch Snickers organisiert. (Diese waren nicht ohne weiteres aufzutreiben) Wir legen ab und setzten Segel.

Tag 1: Wir hatten am ersten Tag entgegen der Prognosen ausgezeichneten Wind.

Tag 2: Bis zum späten Morgen haben wir noch guten Wind, dann schläft der allmählich ein. Die Sonne bringt nicht die erhoffte Energie und so profitieren wir vom Motor und dessen Lichtmaschine und lassen den Wassermacher ordentlich laufen.

Tag 3: Immer noch unter Motor. Ich profitiere vom leichten Wellengang und installiere unter dem Waschbecken beim Wassermacher eine Lichtquelle. Löten bei Wellengang ist noch recht anspruchsvoll, auch wenn’s nur leicht bewegt. Am Abend wächst die Hoffnung, dass der Wind wieder kommt. Aber nach einer Stunde müssen wir wieder der «Fuel to Nois converter» einschalten.

Tag 4: 0045 Wir nutzen den Wind und stoppen den Motor. Der Tag verläuft ohne grosse Vorkommnisse ausser, dass wir ein Fisch fangen. Eine Schlangenmakrele beisst bei Abenddämmerung an.

Tag 5: Zum Frühstück beisst eine Goldmakrele an und es gibt ausgiebig Fisch zum Abendessen.

Tag 6: Wir setzen den Spinnaker. Wir sehen viele fliegende Fische. Am Abend werde ich von einem mir unbekannten Lärm aus dem Bett gerissen. Ein Fliegender Fisch fand den Weg durch unser Rehlings Netz, ein 30cm grosse Luke und landete im Spülbecken. Fehlte nur noch, dass darin eine Pfanne gewesen wäre :-D

Tag 7: Wir nutzen den stabilen, leichten Wind erneut zum Spinnaker segeln aus. Plötzlich wickelt sich der Spi dreimal um das gerollte Genua. Wir kriegen ihn umständlich wieder frei und segeln weiter. Etwa 3 Stunden später werde ich von einem Knall aus der Koje gerissen. Der Spinnaker reisst am Kopfbeschlag senkrecht auf etwa einem Drittel des Segels. Am Abend starten wir den Motor und fahren der Küste entlang bis ins Ankerfeld von Mindelo. Es herrscht hochkonzentrierte Stimmung. In diesem Ankerfeld gibt’s mehrere Wraks von alten Schiffen. Wir finden ein gutes Plätzchen und lassen den Anker fallen. Wir waren 6 Tage und 9 Stunden unterwegs. Am Morgen sehen wir, dass das Schiff welches vor uns ankert, die Utopie ist. Wir halten zusammen per UKW ein Schwätzchen und legen danach ab zum Tanken und fahren in unseren Hafenplatz.

Wir erleben 3 interessante Tage in dieser anderen Kultur. Martin erkundete bereits am ersten Tag die Insel etwas weiter, als normale Touristen. Er lernte nette Leute kennen. Auch ich lernte am zweiten Tag diese Leute kennen und es gab mir einen ausserordentlichen interessanten Einblick in das wahre Leben von den Kap Verden. Nur um den Hafen ist schön, aufgeräumt und die Polizei sei präsent. Wir erlebten aber die Gassen wo die Einheimischen leben, wurden von Joseph nach Hause eingeladen und lernten seine Frau und dessen Mutter kennen. Danach begleitete er uns zurück an den Hafen. Jegliche bettelnde Personen wurden von ihm abgewimmelt und so waren wir sicher. Jedoch spürten wir, die abschätzigen und ablehnenden Blicke vieler Einheimischen.

29.11.2019 – Tag 1: Wir legen in Mindelo ab. Das Ausklarieren geht problemlos und ich tausche mit einem Polizisten ein Gradabzeichen. Im Kanal zwischen der Insel Saao Vincente und Santo Antanaao blies ein guter Wind. Jedoch gerieten wir kurz darauf in eine fürchterliche Flaute, die 1-2 Meter hohen Wellen liessen das Schiff hin und her schiessen. Die Segel schlugen und wir mussten den Motor einsetzen. Nicht ohne strikte Regulierung und geplante Einsatzdauer. Glücklicherweise kam kurz darauf der Wind wieder und wir setzten die beiden Spi-Bäume kurz vor Sonnenuntergang. Die beiden Genuas (das Alte und das noch nie benutzte Passatgenua) wurden gehisst und standen ausgebaumt. Der Wachdienst ist schon im Gange und ich lege mich nach dem Abwasch hin. Die neue Art zu segeln, tönte anders und so kriegte ich kaum ein Auge zu. Als plötzlich die Segel schlugen leite ich einen Blitzstart ein. Marc und Max welche Wache hatten, meinten ich wäre 5 Sekunden danach im Niedergang gestanden und hätte die Situation bereits analysiert gehabt. Was sonst. Die Achse vom Autopiloten wieder einmal…

Im Pyjama hohle ich Werkzeugkoffer und Ersatzteil und verkrieche mich bei Dunkelheit in die Backskiste. 10 Minuten später war ich schon wieder im Bett und die Beiden konnten den Autopiloten die Arbeit machen lassen.

Tag 2: Ich lege mich nach dem Frühstück hin. Die beiden Genuas stehen recht zufriedenstellend und wir machen eine angenehme Geschwindigkeit. Die Schiffsbewegungen sind meistens sehr angenehm. Nur ab und zu kommt eine grosse Welle und lässt die Segel zusammenschlagen, das Schiff zur Seite liegen. Danach folgt immer ein grosser Knall wenn die Segel wieder Wind bekommen und das ganze Schiff erzittert. Es ist sehr Eindrücklich was so ein Schiff an Kräfte aushalten muss.

Wir fangen einen Mini Mahi Mahi und lassen ihn wieder gehen. Wir warten auf ein grösseres Exemplar. Am Nachmittag werden wir belohnt. Wir ziehen eine 1.20m Goldmakrele aus dem Wasser.

Am Abend machen wir zwei andere Schiffe aus, und wir werden heftig von Fliegenden Fischen attackiert. Diese wurden sowohl von Delfinen gejagt, wie auch vom Licht angezogen, vermuten wir. Etliche sprangen über das Deck. Einer knallte gegen die Segel, einer interessierte sich für die Zeitung die Marc auf seinem Tablet lass und einer wollte sich mit unserer Wi-Fi Antenne verbinden.

Im nächsten Blog erfahrt ihr wie unser Transat weitergeht und was wir alles erlebt haben. Ich entschuldige mich dass, ich es nicht mehr geschafft habe, den Blog vor der Überfahrt raus zu schicken. Es waren reichlich ausgefüllte Tage.

Wie gewohnt könnt Ihr unsere Position neben Noforeigenland auch über Garmin InReach verfolgen. Den Link findet ihr auch auf unserer Webseite unter der Reiseroute. Die MapShare von Garmin wird jeweils genutzt wenn wir lange Schläge machen und ausserhalb der AIS Reichweite kommen.