Oktober - Tschüss Mittelmeer; Hallo Atlantik

Blog 6, Oktober 2019

(Beni) Die ersten Tage in La Linea verbringen wir mit der Abarbeitung der riesigen ToDo-Liste. Zwischendurch lernen wir neue Freunde kennen. Unteranderem die Crew der SY Swiss Lady. Sie wollen nach Madeira und haben eine zweite Madeira Flagge, wir finden die Idee zusammen diesen Weg zu wagen interessant und entschliessen uns kurzerhand um, und wollen vor den Kanaren noch Madeira besuchen. Dazwischen quetschen wir Einkaufen und einen Besuch auf dem Affenberg in Gibraltar/GB. Dort war aufgrund der Affen kein Picknick möglich. Die werden super aggressiv, sobald Essen zum Vorschein kommt. Deshalb besuchten wir das Restaurant bei den St.Michels Caves. Wir dachten schon es gibt Tiefkühlware, und wurden von einem leckeren Fischmenü positiv überrascht. Ein paar Tage später erhalten wir Besuch aus der Schweiz, welcher uns einen grossen Koffer voll Material mitbringt. Vielen Dank, Marc. Mit ihm und seinem Mietauto werden auch noch diverse Besuche in Einkaufszentren abgespult und auch noch einmal Gibraltar unsicher gemacht. Wir besuchen den Leuchtturm am südlichen Ende des Landes. Auch dort gab es kulinarische Höchstqualität. Es hat riesig Spass gemacht. Am Montag vor dem Ablegen baute ich den Wassermacher ein. Das dauerte den ganzen Tag und Anja musste das Schiff verlassen, da mir Elija mit sämtlichen Werkzeugen helfen wollte oder sicher gerade diesen Schraubendreher, den ich benutzen wollte, entführt…

Der Absprung machten wir gleichzeitig mit der SY Swiss Lady. Wir besuchten die Zollfreitankstelle in Gibraltar und machten mal voll. 199 Liter zu 0.71Euro/L. Danach geht’s mit ordentlich Wind durch die Strasse von Gibraltar. Zwischen den beiden Kontinenten nimmt die Welle ordentlich zu und wir werden bei 3-4m Wellen aus dem Mittelmeer in den Atlantik herausgeworfen. Nach einer sehr bewegten, windigen aber eigentlich schönen Nacht, kam endlich die Atlantikwelle. Immer noch sehr hoch, aber mit einem längeren Abstand. Diese Welle war aber trotzdem zu viel für unseren Autopiloten. Um zirka 1800 Uhr brach der Verbindungsbolzen zum Autopiloten. An diesem Bolzen wird der Arm des Piloten mit dem Quadranten des Ruderblattes verbunden. Ich versuchte, diesen mit der grössten vorhandenen Schraube zu reparieren. Es hielt etwa 20 Minuten. Also mussten wir die ganze Nacht abwechslungsweise von Hand steuern. Am nächsten Morgen baute ich den neuen Autopiloten aus und installierte wieder den alten. Der Austausch dauerte etwa zwei Stunden. Danach konnten wir uns wieder etwas ausruhen, aber die Strapazen der zweiten Nacht, zeigte seine Wirkung. Wir beide waren in Vollmontur und hatten kalt, während die Kinder sich über viel zu heiss beklagten und nur in T-Shirt waren. Die weiteren Tage und Nächte verliefen sehr monoton. Wir sahen höchstens ein Schiff pro Tag. Die Swiss Lady sahen wir seit dem zweiten Morgen nicht mehr. Bei Anbruch des vierten Tags (11.10) fiel der Wind zusammen und wir mussten auf den Motor zurückgreifen. Abends begann der Wind zu drehen und nahm zu. So stark, dass wir den Motor weiterschieben liessen.

Am Morgen des fünften Tags (12.10) fing plötzlich auch der alte Autopilot an zu spinnen. Der elektronische Kompass sprang hin und her und entsprechend auch der Kurs. Wir bergen die Segel, um eine Kalibrierung durchzuführen, ohne Erfolg. Ich suchte systematisch nach dem Fehler und nachdem alle Kabel auf die Festigkeit kontrolliert waren, merkte ich, dass der Fluxgate-kompass (Das ist die Einheit, welche dem Piloten die Nordrichtung vorgibt) lose im Haltergewinde war und sich leicht drehen lies. Fehler gefunden und weiter gieng’s. Um 1700 Uhr war Madeira in Sicht und wir konnten den Landfall kaum mehr abwarten. Sobald wir wieder Netz hatten und die Häfen noch einmal durchsahen, sahen wir via Noforeigenland, dass unsere Freunde von der SY Morangie im Hafen Quinta do Lorde war und so entschlossen wir uns kurzerhand, direkt diesen Hafen anzulaufen (war noch 30 Minuten entfernt) anstatt bis nach Funchal weiter zu segeln (wären noch 3,5 Stunden gewesen). Wir schmissen noch am 12.10 die Leinen um 0000 Uhr an das Tank dock und waren erleichtert. Doch welch Überraschung, da fehlt doch plötzlich ein Fender (Das sind die aufgeblasene Kunststoffballone, welche man zum Schützen des Schiffs an die Seite hängt) fehlte. Wir sahen sofort, dass dieser im Hafenbecken friedlich reiss ausnahm. Ich mochte ihm diesen Freigang nicht erlauben und startete sofort mit dem SUP eine Verfolgungsjagt. Kurz darauf, hatte ich den Ausbrecher wieder unter Kontrolle und paddelte (in den Unterhosen bei Vollmond und klarem Wasser) wieder zum Schiff. Wenn man müde ist, werden solche Unternehmen irgendwie surreal J. Als Belohnung gab es Chips und ein kühles Bier. Das plötzliche Stillstehen weckte natürlich die Kinder und als sie sahen, dass wir uns Chips aufgestellt hatten, konnten wir ihnen das natürlich nicht mehr verwehren.

Am nächsten Morgen checkte ich in der Marina ein, Der Empfang war unkompliziert, die Marine-Angestellten waren super hilfsbereit und nett. Wir lernten auch etliche neue Gleichgesinnte kennen. Wir verbrachten manchen Abend an Bord eines anderen Schiffs, oder hatten Gäste bei uns. Viele herzliche, hilfsbereite und liebe Begegnungen werden uns Madeira immer in Erinnerung behalten. Wir mieteten zudem ein Auto für vier Tage. Damit wurde ein Grosseinkauf erledigt und die Insel ausgiebig besucht. Wir spulten über 500km auf der 53x20km grossen Insel ab. Es waren Atemberaubende und abwechslungsreiche Landschaften. Der Besuch in Funchal am Hafen war natürlich obligatorisch und wir verewigten uns ebenfalls an der Hafenmole.

Am Sonntag kam unsere erste Verstärkung, Martin zu uns. Wir holten ihn am Flughafen ab und unternahmen sogleich einen längeren Ausflug in die Inselmitte. Da wir deutlich zu sommerlich angezogen waren, liessen wir die Wanderung der Levadas, auf 1600m, bei ordentlich Wind und 9° C ausfallen und fuhren weiter zu den Natur Pools im Nordwesten von Madeira. Auf dem Rückweg über Sao Vincent besuchten wir die Lavahöhlen und das Lavazentrum, wo wir viel über die Entstehung der Insel erfuhren. Super Interessant.

Am Montag starteten wir wieder früh, um die ausgefallene «25 Quellen Wanderung» nachzuholen. Leider war diesmal die Passstrasse gesperrt. Anscheinend gab es durch den nächtlichen Starkwind einen Steinschlag. So konnten wir auch diesmal diese eindrückliche Wanderung nicht machen. Wir fuhren einen anderen Weg, der Küstenstrasse entlang, um die traditionellen Strohhäusern im Nordosten zu besuchen und trafen per Zufall auf eine Wassermühle. Wir konnten dort sehen wie damals bis heute Mehl durch einen von einer Levada angetriebenem Mühlstein gemahlen wird. Natürlich wurden 2kg Mehl gekauft, um an Bord leckeres frisches Brot backen zu können. Auch ganz per Zufall, kamen wir noch an einer Levada vorbei und hielten dort, um diese Wasserwege zu betrachten. Wir wanderten zirka eine Stunde an den Wasserläufen durch dicksten Wald. Einfach wow.

Der Rückweg führte uns an den Portela-Pass. Dort gönnten wir uns die traditionellen Fleischspiesse, Espetada’s. Es war wieder einmal super lecker und ein spezielles Ereignis. (Vielen Dank für diese vielen guten Tipps Nathalie J)

Unser Fazit zu der Insel Madeira: Der Besuch war Wahnsinn. Eine Woche ist zu kurz und wenn wir können werden wir diese Insel noch einmal Besuchen.

Am 22.10 legten wir wieder Ab. Mit dem Cruising Permit steuerten wir die Insel Selvagem Grande an. Mit der Hilfe von Martin, meinem ersten Crew-Membre, war es super entspannt. Wir teilten uns die Nachtwachen auf und beide kamen zum Schlaf. Am Morgen um 0600 Uhr fällt wieder der Autopilot aus, selbes Problem wie das letzte Mal, jedoch hatte ich diesmal genug Ersatzschrauben. Kurz darauf besuchte uns eine Delfinschule. Um 1615 fiel der Anker auf den Felsgrund der Insel. Wir testeten zum ersten Mal den Wassermacher. Am nächsten Morgen besuchten wir die Insel, um einzuklarieren. Leider waren die Parkaufseher auf der Insel beschäftigt. So besuchten wir am Nachmittag die Insel noch einmal. Zuvor machten wir aber an der freien Boje an, da der Anker auf dem Felsboden nicht mehr hielt. Der Parkaufseher und einer der Polizisten begleiteten uns und gaben viele Informationen über diese alte Vulkaninsel. Wir durften sogar ihr Internet benutzen, um das Wetter zu überprüfen. Dabei kamen wir zum Schluss, dass der Aufbruch unmittelbar sein musste, um den Wind noch auszunützen. Wir legten ab und schossen bei kaum Welle in Richtung Kanaren. Erst die letzten 10 Stunden mussten wir den Motor zu Hilfe nehmen. Unsere beiden Angeln sind tagsüber auch draussen. In La Linea hatte ich in eine Fischereibedarfsladen einen «Exciter» geschenkt gekriegt. Dieser soll fliegende Fische imitieren. Dieser fehlte plötzlich und beim Überprüfen der Schnur, sahen wir, dass diese glatt durchgebissen worden ist. Ich erfuhr später, dass es sich bei diesem Dieb wohl um einen Hai gehandelt habe… Am Abend fiel dann der Anker auf Teneriffa in den schwarzen Vulkansand. Ein Teil der Crew machte an dem kleinen Sandstrand noch einen kurzen Besuch sowie einen Badestopp. Wir genossen die Nacht vor den Senkrecht aufragenden Felsen.

Morgens am 26.10.19 sahen wir eine Regenfront kommen. Wir lichteten sofort den Anker und konnten gerade haarscharf die Front noch umfahren. Weitere Fronten querten unseren Weg nach La Gomera, wo wir in der Marina festmachten. Einchecken konnten wir erst am Sonntag 27.10.19 und auch noch eine Nacht verlängern lag drin. Wir haben unsere Vorräte wieder aufstocken können und bereiten uns auf die grosse Überfahrt vor. Anja versucht sich daran, mein Logo in Funchal zu übertreffen und malt (mit neuen und viel besseren Farben) unser Logo an die Hafenmole in La Gomera.

Am 28.10. verlassen wir die Marina wieder und fahren unter Motor und später unter Segel in die Bucht vor Valle Gran Rey. Unterwegs fangen wir den ersten richtigen Fisch. Ein Bonito, dieser sollte keine Gefahr darstellen betreffend Ciguatera. Diese Vergiftungen können seit ein paar Jahren nun auch in den Kanarischen Inseln festgestellt werden und kommen von giftigen Algen. Rifffische fressen diese Algen und Raubfische letztere. Besonders die Stachelmakrele solle gefährlich für die Übertragung dieser heimtückischen Vergiftung sein. Die Auswirkungen können noch monatelang anhalten.

Am 29.10. ankern wir in einer Bucht bei einer Fischfarmruine. Martin und ich gehen an Land und besichtigen die verfallenen Gebäude. Kurz darauf werden wir von einer jungen Dame angesprochen. Sie lebt dort seit 11 Jahren in einer Gemeinschaft und zeigt uns das innere der Fabrik mit den alten, rostigen Maschinen.

In der Bucht ist es Windstill, aber durch den hereintreffenden Schwell, welcher von den Klippen zurückgeworfen wird, entstand quasi eine Kreuzsee. Die Wellen störten sich und es kam zu hohen steilen Wellen die an die Bordwand knallten und das ganze Schiff erzittern liessen.

Die nächste Bucht schien tagsüber ruhig. Die Nacht war ruhiger als die vorherige, aber dennoch gabs ordentliches Geschaukel. Wir starten am Morgen des 31.10. in Richtung Teneriffa. Kaum sind wir zwischen den Inseln geht der Wind auf 7 Bf. Nur mit dem Grosssegel rauschten wir bis zur Mitte der beiden Inseln und da fiel der Wind zusammen. Mit dem Motor gings weiter und die See wurde glatt. Wir konnten Pilotwale bei der Jagt ausmachen und ankerten in einer Bucht bei Teneriffa. Hier suchen wir nun geschützte Buchten bis zum 10.11.

Fazit vom Oktober: Wir haben den Atlantik erreicht und auch unsere ersten Erfahrungen mit langen Etappen hinter uns gebracht. Wir haben in diesem Monat so viel Strecke (über 1000sm) gesegelt, wie in den vorgehenden 4 Monaten. Wir haben viele tolle Menschen kennen gelernt und freuen uns diese wieder einmal zu treffen.

Unsere Position findet ihr nach wie vor neben Noforeigenland auch über Garmin InReach. Den Link share.garmin.com/Abasreisen findet ihr auch auf unserer Webseite unter «Reiseroute». Die MapShare von Garmin wird jeweils genutzt, wenn wir lange Schläge machen und ausserhalb der AIS Reichweite kommen.